DIE TESTER

Wallboxen mit 22 kW im Vergleich 2026

Warum die Wahl der richtigen Ladestation heute wichtiger ist denn je – und welche Anforderungen Betreiber jetzt erfüllen müssen.

Die Wallbox hat sich von einem simplen Steckdosenadapter zu einer intelligenten Netzkomponente entwickelt. Wer heute für ein Unternehmen, eine Wohnanlage oder einen halböffentlichen Standort eine 22-kW-Ladestation beschafft, trifft in der Regel eine Investitionsentscheidung für die nächsten fünf bis zehn Jahre. Denn die Anforderungen steigen rasant: Neue Gesetze verlangen, dass Wallboxen vom Netzbetreiber ferngesteuert werden können. Die EU schreibt vor, dass Ladepunkte künftig automatisch mit dem Fahrzeug kommunizieren. Und die Hersteller-Landschaft hat sich durch Insolvenzen und Übernahmen radikal verändert. Dieser Begleitartikel zum Vergleichstest von neun aktuellen 22-kW-Wallboxen ordnet die wichtigsten Entwicklungen ein – verständlich, praxisnah und ohne Normen-Dschungel.

Test aktualisiert am: 29.4.2026

9 Wallboxen

Wir haben 9 Wallboxen mit 22 kW getestet (Zeitraum: Dezember 2025 - Februar 2026)

1.000 Daten

Wir haben für diesen Test über 1.000 Werte ermittelt

Der Tester

Johannes Holzmann

electricar

Veröffentlichung: electricar Ausgabe 3/2026

Testsieger

go-e - Charger PRO CABLE 22 kW

go-e - Charger PRO CABLE 22 kW

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Sieger Preis/Leistung

EM2GO - Pro Power 2G 22 kW

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Der Wallbox-Markt: Boom, Krise, Erholung

Noch 2021 schienen Wallboxen ein Selbstläufer. Die KfW-Förderung von 900 Euro pro Ladepunkt entfesselte eine beispiellose Nachfrage – rund eine Million private Wallboxen wurden in Deutschland mit diesem Programm gefördert. Hersteller investierten in Kapazitäten, Start-ups drängten auf den Markt, und die Branche feierte Rekordumsätze.

Dann kam der Einbruch. Mit dem Ende der Bundesförderung und dem Wegfall des Umweltbonus für Elektroautos brach der Wallbox-Absatz im Elektrogroßhandel 2023 um rund 60 bis 70 Prozent ein. Was folgte, war eine schmerzhafte Marktbereinigung: Compleo Charging Solutions, erst 2020 an die Börse gegangen, landete Ende 2022 in der Insolvenz. ABL, ein Traditionsunternehmen mit über 100 Jahren Geschichte, ging Mitte 2023 in die Eigenverwaltung. Easee aus Norwegen stürzte nach einer Sicherheitsmängel-Affäre in eine existenzbedrohende Krise. Wallbe verschwand komplett vom Markt.

2025 setzte dann die Trendwende ein. Deutschland verzeichnete mit über 545.000 rein elektrischen Neuzulassungen einen Rekord – 43 Prozent mehr als im Vorjahr. Auch Österreich und die Schweiz wuchsen deutlich. Ungefähr jedes fünfte neu zugelassene Auto im DACH-Raum fährt inzwischen elektrisch. Und jedes dieser Fahrzeuge braucht einen zuverlässigen Ladepunkt – in der Regel zu Hause oder am Arbeitsplatz.

Wer hat überlebt – und was bedeutet das für Käufer?

Die Konsolidierung hat die Herstellerlandschaft nachhaltig verändert. Traditionsanbieter wie Keba, Mennekes und Hager stehen solide da. ABL gehört inzwischen zur spanischen Wallbox-Gruppe. Die Übernahme steht exemplarisch für die Konsolidierung des Marktes. Easee hat den Turnaround nach der Krise eingeleitet und mit dem Charge Pro eine neue Gerätegeneration auf den Markt gebracht. Im preissensitiven Segment hat sich go-e aus Österreich als ernstzunehmende Kraft etabliert.

Für Einkäufer hat diese Dynamik eine klare Konsequenz: Die wirtschaftliche Stabilität des Herstellers ist ein Kaufkriterium. Eine Wallbox wird für mindestens fünf Jahre installiert. Wer in dieser Zeit Firmware-Updates braucht, einen Backend-Zugang nutzt oder Ersatzteile benötigt, ist auf einen funktionierenden Hersteller angewiesen. Alle neun Geräte in unserem Vergleichstest kommen von Anbietern, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktiv am Markt sind – doch die Unterschiede in puncto Zukunftssicherheit sind beträchtlich.

Was eine gute 22-kW-Wallbox kostet

Die Preise haben sich nach dem Überangebot stabilisiert. Einfache Modelle ohne intelligente Steuerung beginnen bei rund 600 Euro. Wer WLAN, RFID-Zugang und einen geeichten Stromzähler möchte, liegt bei 900 bis 1.300 Euro. Gewerbetaugliche Wallboxen mit Backend-Anbindung, Lastmanagement und der Möglichkeit zur kWh-genauen Abrechnung kosten zwischen 1.300 und 2.000 Euro. Inklusive professioneller Montage sollten Betreiber mit 1.800 bis 3.000 Euro pro Ladepunkt kalkulieren.

Eine bundesweite Wallbox-Förderung gibt es Stand Frühjahr 2026 nicht. Einzelne Kommunen und Bundesländer bieten regionale Zuschüsse, und die Bundesregierung hat ein neues Programm für Ladepunkte in Mehrfamilienhäusern angekündigt. In Österreich fördert die Umweltförderung im Inland weiterhin betriebliche Ladeinfrastruktur.

Was das Gesetz jetzt verlangt

Die Regulierung hat in den letzten zwei Jahren deutlich angezogen. Drei Themen betreffen praktisch jeden, der eine 22-kW-Wallbox betreibt:

1. Steuerbarkeit durch den Netzbetreiber

In Deutschland sind seit Anfang 2024 alle Wallboxen über 4,2 kW sogenannte steuerbare Verbrauchseinrichtungen. Das bedeutet: Der Netzbetreiber darf bei Engpässen die Ladeleistung vorübergehend drosseln – allerdings nicht unter 4,2 kW, was für die meisten Fahrzeuge ausreichend bleibt. Im Gegenzug gibt es einen jährlichen Netzentgeltrabatt von bis zu 190 Euro, und der Netzbetreiber darf den Anschluss nicht mehr verweigern. Für den Einsatz im Umfeld von § 14a EnWG bieten die Hersteller entsprechende Lösungen oder Integrationspfade an.

2. Korrekte Abrechnung – eine Frage des Landes

Wer Ladestrom an Dritte verkauft, braucht einen geeichten Zähler. Doch die Anforderungen unterscheiden sich erheblich zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz. In Deutschland reicht ein einfacher MID-Zähler nur dann aus, wenn die Wallbox einem einzigen Nutzer fest zugeordnet ist – etwa dem Dienstwagenfahrer zu Hause. Sobald wechselnde Nutzer nach Kilowattstunden bezahlen, ist eine eichrechtskonforme Gesamtlösung mit digital signierten Messwerten und einer Transparenzsoftware Pflicht. Das ist aufwändiger und kostet 200 bis 400 Euro Aufpreis pro Ladepunkt. Sieben der neun Testgeräte bieten eine solche eichrechtskonforme Variante an.

Österreich verlangt für öffentliche Ladepunkte ebenfalls eine Eichung, erkennt deutsche Zertifizierungen aber weitgehend an. Welche Lösung zulässig und wirtschaftlich sinnvoll ist, hängt jedoch stärker vom konkreten Einsatzszenario ab als in vielen vereinfachten Marktübersichten dargestellt. Die Schweiz ist deutlich unkomplizierter – ein MID-konformer Zähler reicht für die gewerbliche Abrechnung in der Regel aus.

3. Die EU-Verordnung AFIR und ihre Folgen

Die Alternative Fuels Infrastructure Regulation (AFIR) der EU betrifft alle öffentlich zugänglichen Ladepunkte – auch solche, die vielleicht gar nicht als öffentlich gedacht waren. Entscheidend ist nicht das Schild, sondern die tatsächliche Zugänglichkeit: Ein Hotelparkplatz, ein Supermarktstellplatz oder ein Firmenparkplatz ohne Schranke können darunter fallen. Zudem müssen neue Ladepunkte ab 2027 die automatische Kommunikation zwischen Auto und Wallbox unterstützen – das sogenannte ISO 15118. Für die Schweiz als Nicht-EU-Land gilt die AFIR nicht direkt, die meisten Hersteller empfehlen aber die freiwillige Einhaltung. 
Betreiber sollten daher bereits heute auf AFIR-konforme Hardware achten.

Sicherheit: Warum der Fehlerstromschutz ein Thema ist

Jede Wallbox braucht einen Fehlerstromschutzschalter (RCD), der bei einem Defekt den Strom sofort unterbricht und so vor Stromschlägen schützt. Beim AC-Laden kommt eine Besonderheit hinzu: Das Ladegerät im Fahrzeug erzeugt Gleichstrom, und bei einem Fehler kann ein Gleichstrom-Fehlerstrom auftreten, den ein normaler Schutzschalter nicht erkennt.

Deshalb gibt es zwei Schutzkonzepte: Entweder einen teuren allstromsensitiven Schutzschalter (Typ B), der alles abdeckt. Oder einen günstigen Standard-Schutzschalter (Typ A) in Kombination mit einer in der Wallbox eingebauten Gleichstrom-Überwachung. Acht der neun Testgeräte setzen auf die zweite Variante, einzig Zaptec verbaut einen integrierten Typ-B-Schutzschalter.

Für den Betrieb in Österreich gibt es eine Besonderheit: Die dortige Norm verlangt eine niedrigere Auslöseschwelle für Gleichstromfehler als der internationale Standard. Wer auf der sicheren Seite sein will, sollte in Österreich entweder eine Wallbox mit integriertem Typ-B-Schutzschalter wählen oder einen externen vorschalten.

Zukunft: Was kommt auf Wallbox-Betreiber zu?

Plug & Charge: Einstecken genügt

Jeder, der schon einmal an einer öffentlichen Ladesäule eine App öffnen, einen QR-Code scannen und eine Kreditkarte hinterlegen musste, kennt den Wunsch: Einfach einstecken und laden. Genau das verspricht Plug & Charge nach ISO 15118 – das Fahrzeug identifiziert sich automatisch an der Wallbox, die Abrechnung läuft im Hintergrund. Bei DC-Schnellladern funktioniert das bereits bei einigen Anbietern. Bei AC-Wallboxen steckt die Technik noch in den Kinderschuhen: Viele Geräte haben die nötige Hardware bereits verbaut, die Software-Freischaltung steht aber größtenteils noch aus. Für Einkäufer heißt das: Darauf achten, dass die Wallbox einen PLC-Kommunikationskanal hat – nur dann kann Plug & Charge per Update nachgerüstet werden.

Bidirektionales Laden: Das Auto als Stromspeicher

Die Vision ist bestechend: Ein Elektroauto mit 60 kWh Batterie kann ein Einfamilienhaus mehrere Tage lang mit Strom versorgen. Oder es speist überschüssigen Solarstrom tagsüber ein und lädt nachts günstig wieder auf. In Deutschland haben sich die regulatorischen Rahmenbedingungen für bidirektionale Anwendungen zuletzt verbessert. Erste kommerzielle Angebote zeigen, dass das Thema den Pilotstatus verlässt – im Massenmarkt ist es aber noch nicht angekommen. BMW und E.ON haben im Februar 2026 das erste kommerzielle Angebot gestartet: Wer seinen BMW iX3 ins Stromnetz zurückspeist, erhält einen jährlichen Bonus von 720 Euro und 40 Cent pro eingespeister Kilowattstunde.

Allerdings: Bidirektionales Laden über AC – also über gewöhnliche Wallboxen – ist technisch noch nicht serienreif. Die aktuell verfügbaren Bidi-Lösungen arbeiten alle mit Gleichstrom (DC) und kosten deutlich mehr als eine herkömmliche Wallbox. Einige Hersteller – darunter Keba und go-e – deklarieren ihre Geräte aber bereits als V2X-ready, also vorbereitet für eine spätere Software-Aktivierung. Wer heute investiert und langfristig denkt, sollte auf dieses Merkmal achten.

Die Wallbox als Teil des Energiesystems

Die vielleicht wichtigste Verschiebung ist eine, die man der Wallbox nicht ansieht: Sie wird zur aktiven Komponente im Stromnetz. Die Steuerbarkeit durch den Netzbetreiber ist nur der Anfang. Dynamisches Lastmanagement – also die intelligente Verteilung der verfügbaren Leistung auf mehrere Ladepunkte – ist bereits Standard bei gewerblichen Installationen. PV-Überschussladen, bei dem das Auto bevorzugt mit eigenem Solarstrom geladen wird, wird zum Standardfeature. Und Protokolle wie EEBus und OCPP 2.0 sollen perspektivisch erlauben, dass Wallbox, Wärmepumpe, Batteriespeicher und PV-Anlage als ein System agieren.

In der Praxis ist man davon allerdings noch ein Stück entfernt. Die allermeisten Wallboxen – auch alle neun in unserem Testfeld – kommunizieren noch über das ältere OCPP-1.6-Protokoll. Natives EEBus ist die Ausnahme, nicht die Regel. Und die Integration verschiedener Systeme funktioniert am besten über das Open-Source-Projekt evcc, das als universeller Übersetzer zwischen Wallbox, Wechselrichter und Stromzähler dient. Wie gut die einzelnen Wallboxen hier zusammenspielen, ist ein wichtiges Kriterium in unserem Vergleichstest.

Neun Wallboxen im Praxistest

Vor diesem Hintergrund haben wir neun aktuelle 22-kW-Wallboxen aus dem DACH-Raum einem umfassenden Vergleichstest unterzogen. Die Auswahl repräsentiert die volle Bandbreite des Marktes: vom österreichischen Traditionsanbieter Keba über den deutschen Industriekonzern Hager bis zum skandinavischen Herausforderer Easee. Im Test stehen:

1.

Keba

KeContact P40 Pro 22 kW

2.

ABL

eM4 Twin 22 kW

3.

EM2GO

Pro Power 2G 22 kW

4.

Mennekes

AMTRON 4Business 780 C2 22 kW

5.

go-e

Charger PRO CABLE 22 kW

6.

Easee

Charge Pro 22 kW

7.

Hager

Witty Park 2

8.

Zaptec

Pro M&E

9.

PCE

PRI:CHARGER DOT2 4G ERK


Wir haben alle neun Geräte unter realen Bedingungen installiert, angeschlossen und über mehrere Wochen im Praxisbetrieb getestet. Die Bewertung erfolgt nach einem strukturierten Schema, das technische Leistungsfähigkeit, Sicherheit, Software-Ökosystem, Zukunftsfähigkeit und Praxistauglichkeit berücksichtigt. Die detaillierten Ergebnisse finden Sie im begleitenden Testbericht.

Fazit

Alle neun getesteten Geräte erreichen in der Gesamtwertung das Prädikat „Hervorragend" – die Spanne reicht von 90,4 Prozent bei der EM2GO Pro Power 2G bis zu 98,2 Prozent beim klaren Testsieger. Die Unterschiede liegen weniger im Ob als im Wie: bei App-Komfort, Display-Qualität, Phasenumschaltung im PV-Betrieb und der Zukunftsfähigkeit in Sachen Plug & Charge und bidirektionalem Laden.

Testsieger wird der go-e Charger PRO CABLE 22 kW mit einer Gesamtwertung von 98,2 Prozent. Er überzeugt auf ganzer Linie: eichrechtskonformer Zähler, automatisches PV-Überschussladen mit Phasenumschaltung, volle Konnektivität (LAN, WLAN, GSM), OCPP-Backend und ein klarer Entwicklungspfad in Richtung ISO 15118 und V2X. Dass der österreichische Hersteller diese Leistung zu einem Preis von 1.119 Euro anbietet, macht den Charger PRO CABLE zur rundum empfehlenswerten Lösung für gewerbliche und halböffentliche Standorte.

Dicht dahinter folgen die Keba KeContact P40 Pro und die Zaptec Pro M&E mit jeweils 96,2 Prozent – die Keba als grundsolide Traditionsmarke, die Zaptec als einzige Wallbox im Test mit integriertem allstromsensitivem Typ-B-Schutzschalter, was besonders in Österreich ein klares Plus ist. Die ABL eM4 Twin (96,0 %), der Hager Witty Park 2 (95,4 %) und die Mennekes AMTRON 4Business 780 C2 (95,0 %) liefern ebenfalls „hervorragende" Werte, spielen preislich aber in einer anderen Liga. Auch die PCE PRI:CHARGER DOT2 4G ERK (92,0 %), die Easee Charge Pro (90,7 %) und die EM2GO (90,4 %) bestehen den Test souverän.

Den Titel Preis/Leistungs-Sieger sichert sich die EM2GO Pro Power 2G 22 kW zum Straßenpreis von 957 Euro. Sie ist damit die günstigste Wallbox im Testfeld, bietet dennoch eichrechtskonformen Zähler, RFID-Zugang, App-Steuerung, OCPP und dynamisches Lastmanagement – ein Funktionsumfang, der noch vor wenigen Jahren dem doppelten Preissegment vorbehalten war.

Unterm Strich gilt: Wer 2026 eine Wallbox beschafft, kann bei sorgfältiger Auswahl über die gesamte Bandbreite nichts falsch machen – vorausgesetzt, er achtet auf Eichrechtskonformität (wo abgerechnet wird), § 14a-Integration, ISO-15118-Hardware und die wirtschaftliche Stabilität des Herstellers. Der Testsieger go-e und der Preis/Leistungssieger EM2GO zeigen dabei besonders eindrucksvoll, dass Qualität und fairer Preis kein Widerspruch mehr sein müssen.